Juli 2009 "Angst vorm Fliegen..."

Mein Leben könnte so schön sein, ich wohne in einem netten Häuschen im Grünen, habe einen Mann gefunden, der es einigermaßen mit mir aushält und kann in meinem Traumjob arbeiten, der es mir hin und wieder ermöglicht einer meiner größten Leidenschaften, dem Reisen, nachzugehen. Stopp! Und genau da sind wir schon beim Problem. Ich leide seit ich denken kann an Aviophobie, auf gut Deutsch Flugangst. Daraus ergibt sich zum einen die Frage, wie komme ich auf angenehme Weise zu den Jobs, die nicht unbedingt in Köln, Düsseldorf oder Frankfurt produziert werden und zum anderen, wie erreiche ich die Orte dieser Welt, die ich noch nicht gesehen habe, aber unbedingt sehen möchte? Versucht habe ich es zunächst mit der gängigsten und zeitgleich kostspieligsten Möglichkeit, einem Flugangstseminar. Praktisch also, wenn man der Chefredakteurin eines Radiosenders das Ganze als redaktionellen Beitrag verkaufen und sich einfach als Journalistin unter die ganzen Angsthasen mischen kann. Nach zwei Tagen tiefgründiger Ursachenforschung und zahlreicher Entspannungspädagogik seitens eines einfühlsamen Psychologen, knallharten Fakten zu Technik und Sicherheit vermittelt durch einen erfahrenen Piloten und zum krönenden Abschluss eines Fluges nach München und zurück, fühlte ich mich ca. eine Woche lang befreit von jeglichen Sorgen. Tja, bis dann im wahrsten Sinne des Wortes aus heiterem Himmel eine amerikanische Maschine ein Triebwerk verlor und abstürzte. Laut Flugangstseminar sollte dies doch so gut wie nicht möglich sein und wenn doch, sei es nicht weiter besorgniserregend, denn eine sichere Landung beeinträchtige eine fehlende Turbine nur geringfügig. Überhaupt sei in einem Flugzeug alles doppelt und dreifach abgesichert und vorhanden und im schlimmsten Fall ließe man einfach ein wenig Benzin ab und segele sicher bis zum nächsten Feld. Nun gut, um mich nicht weiter von meiner Angst einnehmen zu lassen, las ich fleißig Fachbücher und hörte mir CDs mit den gewöhnlichsten Geräuschen im Flugzeug an. Nicht dass ihr mich falsch versteht, ich fliege schon seit meiner Teenagerzeit sowohl in den Urlaub als auch auf die Arbeit, womit ich schon mal das wichtigste getan und mich meiner Angst gestellt hätte. Gerade für Begleitpersonen ist dies aber alles andere als entspannend. Schon auf dem Weg ins Flugzeug fühle ich mich wie Sean Penn auf seinem letzten Gang in „Dead man walking“, nicht zu vergessen, dass ich mir davor in der Wartehalle die Gesichter der Mitreisenden auf der Titelseite der BILD vorgestellt habe, natürlich als Opfer der neuesten Flugzeugkatastrophe. Im Flieger selbst versuche ich, nach den ersten ein zwei Stoßgebeten, die Zeilen die ich im Bordmagazin lese auch zu verstehen…vergeblich. Nachdem ich beim Start reichlich Tränenflüssigkeit gelassen und die Hand meines Sitznachbarn in einen durchnässten verkrampften Klumpen verwandelt habe, warte ich darauf, dass es nun wieder nach unten geht, denn die meisten Unfälle passieren bekanntermaßen bei Start und Landung. Sind wir diesem Unheil noch entkommen, beobachte ich, ob den anderen Passagiere oder dem Bordpersonal die merkwürdigen Geräusche auch so verdächtig vorkommen. Mittlerweile ist es auch wieder an der Zeit ein weiteres kurzes aber direktes Gebet nach oben zu schicken. Während der folgenden Turbulenzen, die grundsätzlich auf all meinen Flügen auftreten und nicht selten sogar das Bordpersonal zum Platznehmen zwingen, wiederholen sich die vorangegangenen Maßnahmen in exakter Reihenfolge. Falls die Wetterumstände doch mal ein Essen und Getränke zulassen, sehe ich dies als meine Henkersmahlzeit und beobachte, wie sich die Flüssigkeit im Becher bewegt. Bin ich auf einem Urlaubsflug habe ich dann die Möglichkeit, mich gegen das bewusste Erleben des ersten Urlaubstages zu entscheiden und kippe noch ein paar der verschreibungspflichtigen Tröpfchen oder Pillchen nach, die ich meinem Arzt abschwatzen konnte. Bei einem Flug zum Dreh oder Casting ist dies verständlicherweise nicht angebracht. Die Angst hat aber zumindest in dieser Angelegenheit sein Gutes, denn durch die Tatsache, es doch noch einmal überlebt zu haben, bin ich danach an berauschter Lockerheit kaum zu übertreffen und von Nervosität fehlt jede Spur. Diese kehrt jedoch mit großen Schritten auf dem Weg zum Flughafen zurück und wandelt sich zum kompletten Entsetzen, wenn sich herausstellt, dass die Produktionsfirma mich auf einen Cityhopper gebucht hat, jene kleine Maschinen, bei denen man die Passagiere quasi an einer Hand abzählen kann und beim Start das Gefühl hat, am Boden schneller laufen zu können, als das Ding hoch kommt. Man kauert auf seinem Einzelsitz und der Propeller in Augenhöhe übertönt mit Leichtigkeit jedes Angstwimmern. Diese Vorfälle sind aber selten, da ich mich in der Regel vor jedem Flug ausgiebig über das eingesetzte Modell informiere und nach Möglichkeit auch schon meinen Wunschplatz, eine Reihe hinter dem Notausgang auf den Tragflächen, reserviere. Dort rechne ich mir wegen der Stabilität die höchsten Überlebenschancen aus und kann schnell über den Vordersitz nach draußen klettern. Einen direkten Platz am Notausgang vermeide ich, falls während des Fluges doch mal die Tür aufgeht und man rausgesaugt wird. Ich sitze nie am Fenster, weil es zu weit außen ist und trage, da diese im Koffer ohnehin viel Platz in Anspruch nehmen, Turnschuhe um schneller fliehen zu können. Beim Einsteigen klopfe ich übrigens immer ganz abergläubisch dreimal an den Rumpf der Maschine. Einmal hatte ich es vergessen. Wir standen daraufhin zwei Stunden in Palma auf dem Rollfeld und im Cockpit tummelten sich Menschen mit orangefarbenen Westen. Das Glück war trotzdem noch mal auf unserer Seite. Ich bin auf alles eingestellt und mir ist auf meinen Flügen auch schon vieles passiert. Vom nichtausfahrbaren Fahrwerk, von dem der Pilot uns auf dem Flug nach Fuerteventura höflich informierte, unendlichen Achten-Fliegens wegen Nebel über München, bei dem ich die Notwendigkeit der Kotztüten erkannte, über Nebel in der Maschine selbst in Montego Bay, weit geöffneten Cockpittüren über Hamburg, durch die sich die Stewardessen mit den Piloten fröhlich lärmend aus der Kabine unterhielten bis hin zum Durchqueren eines Gewitters mit Orkanböen und finalem Durchstarten in Zagreb. Während des Fluges sage ich mir jedesmal, das wäre es doch nicht Wert, man müsse doch nicht unbedingt nach Jamaica oder Mexico, Holland sei doch auch schön. Oder ich frage mich, warum ich nicht einfach einen anständigen Beruf ausübe, zu dem man mit dem Auto oder vielleicht sogar Fahrrad gelangen könnte. Nach jedem Flug schwöre ich mir, dass es der letzte war. Mein letzter Letzter brachte mich vor wenigen Wochen zu meiner Oma nach Kroatien. Trotzdem werde ich das Fliegen auch weiterhin meiden. Man kann schließlich prima mit dem Auto verreisen oder auch mal eine schöne Kreuzfahrt machen…hm, wären da nicht die verrückten LKW- und Falschfahrer, Piraten, Haie… 


April 2009 "Bikinifigur..."

Wie in jedem Jahr, wenn sich die ersten Sonnenstrahlen zeigen und nicht nur die Nächte sondern auch die Röcke kürzer werden, macht Frau sich so langsam Gedanken über die mehr oder weniger vorhandene Bikinifigur. Der durch die, wenn auch noble, aber ganz und gar nicht schmeichelnde Winterblässe verstärkte Schockeffekt im Vorjahresmodell vor dem heimischen Ganzkörperspiegel tut meist sein übriges und schon wird das Internet nach der neuesten Turbo-Bikini-Diät abgesucht. Aber, und das habe ich mir fest vorgenommen, in diesem Jahr nicht bei mir! Sollen doch die Medien voll sein mit untergewichtigen Damen bei denen mehr Knochen als Ausstrahlung rausstechen und alle Perez Hiltons dieser Welt kurvige Frauen wie Jessica Simpson als fett bezeichnen. Gibt es denn nur noch dick oder dünn? Was ist mit den Frauen, die einfach normal gebaut sind, Kohlenhydrate in Form von Pasta und Brot nicht verteufeln und statt nach dem Job durch Wald und Flur zu joggen oder sich im Fitnessstudio dem Dunst der Mitschwitzer hinzugeben einfach mal ohne schlechtes Gewissen in der Sonne ein Buch lesen und sich ein fettes Eis mit Sahne gönnen können? Bin ich denn ganz alleine? Ich gebe zu, nachdem ich im letzten Frühjahr die Winterpfunde durch eine Woche gesundes Heilfasten verloren habe, in diesem Jahr aber gerne auf die unangenehmen Nebenprozeduren des „Gift-Ausschleusens“ verzichten wollte, habe ich mir noch im Januar den schicksten weißen Crosstrainer gekauft den es gab und ihn vorsatzgemäß täglich 60 Minuten gequält. Spaß hatte ich dabei keinen, allerdings nach ca. 4 Wochen erste Ansätze eines Knackarschs und Waden, die zum Explodieren gestrafft waren. Natürlich wurde auch das Programm des Fitness-Gurus der Stars David Kirsch getestet, mit dem Resultat, dass ich mich dank der Ganzkörperschmerzen nach Tag 3 am liebsten ins nächste Krankenhaus eingeliefert hätte und mir schon allein beim Gedanken an den allabendlichen Proteinshake der Appetit verging. Allmählich war ich richtig fit und lief sogar problemlos neben meinem sport- und bewegungsfanatischen Mann her und konnte dabei, was vorher nicht vorstellbar war, sogar sprechen. Nur eins fehlte während der ganzen Aktionen und das war der Spaß! Bei meiner Geburt wurde anscheinend die Möglichkeit der Produktion des Glückshormons, das bei sportlicher Anstrengung entstehen soll, einfach vergessen. Stattdessen werden diese Glücksgefühle vornehmlich beim Liegen auf dem Sofa, beim Essen einer großen Portion Spaghetti Bolognese oder aber beim Kauf von Schuhen geweckt. Um dabei nicht gänzlich zu verrosten habe ich mich jetzt mit mir selbst auf regelmäßiges Yoga geeinigt, dabei kann man normal atmen, trieft nicht vor Schweiß und hält sich oft horizontal am Boden auf. Irgendwo habe ich auch mal gehört, dass sich der weibliche Körper alle sieben Jahre verändert, dann hab ich jetzt also noch gut fünfeinhalb, in denen ich mich über den einigermaßen funktionierenden Stoffwechsel meines Körpers freuen kann. 


Februar 2009 "Erste Liebe..."

Man sagt, die erste Liebe prägt uns und hinterlässt in unserer Gefühlswelt einen nachhaltigen Eindruck. Sieht man sie auch erst nach vielen Jahren wieder, so entflammt das Herz aufs Neue. Meine erste Liebe, das waren 5 Jungs aus Boston, die New Kids on the Block. Ende der 80’er, Anfang der 90’er, zu Zeiten in denen im Musikfernsehen noch Musik lief und keine namenlosen „Berlin-Mitte-Gesichter“ (so heißt es in Castingaufrufen tatsächlich) durchs Programm führten. Kavka wird es wahrscheinlich schon gegeben haben. Ich war 12 und meine Mama hatte den Auftrag, mich jeden Abend zur Nummer 1 von „Dial MTV“ einer Musikchartshow, vom Spielen reinzurufen, denn einen Videorekorder hatten wir noch nicht. In neonfarbenen Radlerhosen wurde dann die Choreographie von „Step by step“, The right stuff“ oder „Call it what you want“ nachgetanzt. Mein bis dato größtes Erlebnis war der Besuch eines NKOTB-Konzerts 1991 in der Kölner Sporthalle. Mama und Papa waren natürlich auch mit dabei. Mein erster Freund wurde in meinem Zimmer beim Knutschen von allen vier Wänden von New-Kids-Postern angestarrt, die jeden Zentimeter, der nur wenige Monate zuvor angebrachten Speedy-Gonzales-Tapete bedeckten. Die Liebe zu meinem Kutsch-Freund hielt nur einen Sommer, die zu den New Kids on the Block war in meinem Inneren, trotz des Wechsels zu Sendungen wie Headbanger’s Ball und diversen Rockkonzertbesuchen, wohl unbemerkt immer vorhanden. So vernahm ich ein nervöses Flattern, als Anfang 2008 die ersten Gerüchte über eine Reunion aufkamen. Und tatsächlich, ein dreiviertel Jahr später waren die New Kids on the Block zu Promo-Zwecken in Deutschland. Es stellte sich heraus, dass meine Regionalsender-Visitenkarte doch zu etwas gut war und ich stand in Köln, gemeinsam mit meiner damals ebenso besessenen Freundin, unseren Helden gegenüber. Da ich nun selbst in der Medienbranche tätig bin, begegnete man sich auf einer anderen Ebene, aber in mir drin schlug mein Fanherz Purzelbäumchen. Das tat es auch wieder beim ersten von zwei Deutschlandkonzerten Ende Januar in Frankfurt. War es damals noch die Festhalle, so ist es jetzt die gemütlichere, jedoch ausverkaufte Jahrhunderthalle. Und das alles ohne wirkliche PR, denn die Boulevard-Presse interessiert sich in der heutigen Zeit für weltbewegendere Dinge, wie die zahllosen Operationen diverser Dschungelstars, von Musiksendern ganz zu schweigen. Und alle waren sie da, die Fans von früher, nicht weniger leise, obwohl, zumeist schon jenseits der 30. Statt von besorgten Eltern werden sie nun von Ehemännern mit Kinderwagen gebracht. Als dann endlich die nicht mehr ganz so neuen Kids auf ihrer Las-Vegas-Showtreppe erscheinen und die ersten Töne erklingen, kullern die Tränchen der Rührung wie eh und je. Zwei Stunden live Gesang, bei dem der ein oder andere schiefe Ton (so ist das nun mal, wenn der Polizist aus Saw nach 15-jähriger Abstinenz wieder auf die Bühne tritt) gekonnt durch die actionreiche Show mit alten Hits und neuen Songs ausgeglichen wird. Meine Mama war diesmal auch wieder mit dabei, als Dankeschön dafür, dass sie es damals mit mir ausgehalten hat und ich ertappe mich dabei, wie ich bei den noch immer perfekt choreographierten Einlagen, die Schritte mittanze. Als echter Fan darf man natürlich auch das Abschlusskonzert in Düsseldorf nicht verpassen und da die bereits oben erwähnte „andere Ebene“ mir den Draht zu meinem persönlichen „Bezugs-New-Kid“ ermöglicht hat, hielt ich nun einen Backstage-Pass in meinen leicht zitternden Händen. Was vor 17 Jahren der sichere Weg in die Klapsmühle gewesen wäre, bringt mir heute zwar noch mächtig Herzklopfen, aber der Erfüllung meines Kindheitstraums sehe ich doch gelassener entgegen… ich tue zumindest so ;) Aber keine Sorge, mein Mann wird beim Schlafen nicht von Posteraugen beobachtet…